Übung 9 
Wie kannst Du Verbundenheit, Quelle, Urvertrauen täglich erleben?

Meditation
Such Dir einen Ort zur Meditation, an dem Du eine halbe Stunde Zeit für Dich hast, frei von Störungen, Anrufen und Gesprächen, einen ruhigen, einen persönlichen, Deinen eigenen Raum, wo Du Dich für die Meditationsübungen zurückziehen kannst.
Günstige Zeiten für die Meditationen sind der Morgen und der Abend jeweils vor dem Essen. Überprüfe, ob Du einmal oder zweimal am Tag meditieren kannst und möchtest und zu welcher Zeit in Deinen Leben Du es zu einem Ritual, zu einer Gewohnheit werden lassen möchtest, wo Du Zeit und Raum für Dich ganz alleine hast, eine wiederholbaren Moment oder Augenblick, auf den Du Dich freuen kannst, der für Dich eine Einstimmung auf den Tag oder einen Abschluß des Tages bedeutet. Achte darauf, daß Du gerade in der Anfangszeit sehr regelmäßig Deine Meditationsübungen durchführst, so daß Du in Deinem Leben eine neue Gewohnheit etablierst, an die sich Dein Körper, Dein Denken und Deine Umwelt gewöhnt, so daß die Meditation ein Teil Deines Lebens, Teil Deines Alltags wird.
Finde eine Position, in der es Dir besonders leicht fällt, die Meditationsübungen durchzuführen und zu genießen. Du kannst wählen, in welcher Sitzhaltung Du am leichtesten die Meditationsübungen durchführen kannst.
1. sitzend auf einem Stuhl: die Wirbelsäule wird aufgerichtet, der Scheitel zeigt nach oben, die Muskulatur gelöst und entspannt, die Becken beweglich, die Hände liegen locker im Schoß oder auf den Oberschenkeln. Wichtiges Kriterium für alle Meditationshaltungen ist das Wohlfühlen und eine angenehme und entspannte Haltung.
2. der Fersensitz: Dabei setzen wir uns auf unsere Unterschenkel. Zwischen den Füßen und dem Gesäß kann der Bequemlichkeit halber auch eine Decke gelegt werden. Es gibt auch spezielle Meditationsbänkchen, die das Gewicht von den Unterschenkeln nehmen und dadurch für viele angenehmer und entspannter sind. Auch hier ist die Wirbelsäule aufgerichtet, der Scheitel verlängert sich nach oben, die Hände werden im Schoß abgelegt, so daß die eine Hand in der anderen ruhen kann.
3. der Lotussitz: Damit ist nicht der "klassische Schneidersitz" gemeint (obwohl viele auch diesen für ihre Meditationsnechnik nutzen). Beim Lotussitz legt man den rechten Fuß mit der Sohle nach oben auf den linken Oberschenkel und danach den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Ein Kissen unter dem Gesäß unterstützt ein Aufrichten der Wirbelsäule. Die linke Hand wird in die rechte Hand hineingelegt, und beide Daumen berühren sich an der Spitze.
Achte gerade in der Anfangszeit darauf, daß Du eine Körperhaltung annimmst, in der es Dir leicht fällt, Deine Aufmerksamkeit nach innen zu richten. Nach einigen Monaten Übung hat sich Dein Körper an die wiederkehrende Aufmerksamkeitsverschiebung nach innen gewöhnt. Es wird zu einer Verhaltensweise wie das Zähneputzen, ein Bestandteil des Tages wie das Essen, eine Belohnung, ein Höhepunkt, ein Kraftpunkt, ein Ruhepunkt in Deinem Leben.
Bei der Mantren-Meditation konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit auf die Silben- oder Wortwiederholung. Sie sind das Vehikel, um uns von unseren Gedanken zu lösen, uns auf unsere Welt nach innen zu richten, innen und außen als Eins zu erfahren, zu transzendieren.
Es ist selbstverständlich, daß Alkohol, Tabletten oder andere Rauschmittel eher hinderlich für die Meditation sind.
Aufgabe: 6 Wochen täglich für 20 Minuten meditieren
Ablauf einer Meditationssitzung: Finde ein Ritual, eine wiederholende Tätigkeit, die Dich und Deinen Körper daran erinnert, daß jetzt Deine Meditationssitzung beginnt wie z.B. das Anzünden einer Kerze, Einnehmen der Meditationshaltung, einen innerlichen Satz, den Du an Dich richtest, ein oder mehrere Atemzüge usw. Nimm Dir dann einen Augenblick Zeit wahrzunehmen, wie sich Dein Körper anfühlt und was Du noch verändern kannst, damit Du Dich wohlfühlst und sich Entspannung und Gelöstsein in Deinem Körper ausbreiten kann. Wenn Du Lust hast, beginne mit einer Reise durch Deinen Körper, von unten nach oben oder umgekehrt, bei der Du in alle Stellen Deines Körpers kurz hineinspürst, Dir innerlich die Frage stellst: Was kann ich an dieser Stelle noch lösen, locker werden lassen? - und somit Deine Aufmerksamkeit allmählich von außen nach innen richten kannst. Nimm wahr, wie Du atmest, wie Dein ganz eigener Rhythmus jetzt ist, wann und wie lange Du ein- und ausatmest. Laß Dich von Deinem Atem tragen, ganz selbstverständlich den Rhythmus annehmen, der jetzt da ist. Diese Körperentspannung ist eine wichtige Vorbereitung für die eigentliche Meditation. Sie erleichtert gerade dem Anfänger den Einstieg in die Welt nach innen. Sie öffnet die Türen zu unserem inneren Universum.
Such Dir ein Mantra aus, was Du Dir in Gedanken innerlich immer wieder hörst und empfindest. Laß das Mantra immer wiederholend geschehen und versenk Dich allmählich in den Ton und Schwingung. Der Atem fließt dabei gleichmäßig und ist mit den Schwingungen des Mantras eine Resonanz oder auch nicht. Der Atem kann kommen und gehen, wann er will, und die Wiederholung des Mantras kannst Du mit dem Atem koordinieren oder aber seinen ganz eigenen Rhythmus finden lassen. Deine Aufmerksamkeit richtet sich auf das Mantra, das wiederholte Denken oder innerliche Aufsagen, Singen der Töne. Konzentrier Dich auf die Wiederholung und laß ansonsten alles geschehen. Die Kunst der Meditation besteht in dem So-Sein-Lassen, Loslassen und Zulassen dessen, was passiert. Wenn Gedanken kommen, bedanke Dich, laß Sie geschehen und konzentriere Dich weiter auf Dein Mantra. Übe Dich darin, Deine Aufmerksamkeit sanft und respektvoll und trotzdem beharrlich wieder Deine innere Schwingung, den Ton oder die Wortabfolge zu lenken. Alles, was in der Meditation passiert, ob es nun Gedanken, Phantasien, Gefühle, innere Bilder oder Stimmen, Gedankenblitze, Erinnerungen usw. sind, gilt es zu akzeptieren, anzunehmen, wahrzunehmen, um dann wieder mit seiner Aufmerksamkeit zu dem richtungsweisenden Mantra zurückzukehren. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, kein Gut und kein Schlecht in der Meditation, und die erlebten Meditationen können von ihrer Qualität völlig unterschiedlich erlebt und erfahren werden. In der Meditation lernst Du vielleicht, die Dinge so anzunehmen, wie sie sind, Dich selbst anzunehmen und spürst einen Teil von diesem Urvertrauen, von der Verbindung, von der Quelle, die alles verbindet.
Nach 20 Minuten komm mit Deiner Aufmerksamkeit wieder zurück in den Raum und laß Dich überraschen, was Dich darin unterstützt, die Reise von innen nach außen wieder anzutreten - ob es ein spezieller Atemzum ist - die sanfte Bewegung eines Körperteils - eine Berührung oder daß die Augen sich öffnen (falls Du sie geschlossen hattest) usw. Nimm Dir einen Augenblick Zeit, um der Meditation, der gemachten Erfahrung nachzuspüren und Dich allmählich auf das einzustimmen, was du anschließend gerne tun möchtest. Wenn Dir Gedanken, Ideen, Anregungen während der Meditation gekommen sind, dann ist jetzt die Zeit dafür da, sie zu notieren, aufzuschreiben.
Im folgenden haben wir einige Mantren ausgeführt, die aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Quellen stammen. Vielleicht zieht Dich ein Mantra schon magisch an:
- Om (gesprochen: Ohm)
- OM Nama Shivaija (Hindi)
- OM Ah Hom
- Ich bin das stille, weite Meer, was dessen Tiefe, das Leben ewig sprudelt und quillt.
- Laß los. Laß Gott. (anonyme Alkoholiker)
- So ham
- Amen. Shalom. Frieden.
- OM-Mani-Padme-Hum (Hindi, Mantra der Barmherzigkeit)
- Manaratha (christlich, in 4 Teilen innerlich zu singen)
- Alles in meinem Leben geschieht zu meinem höchsten Wohl
Ein wirklich gutes Einführungs-Buch zum Thema Meditation bietet Victor N.Davich mit Meditation - Der einfache Weg zu mehr Zufriedenheit, Entspannung und Gelassenheit (Mosaik-Verlag)